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Reise: Zu Gast wo Autos das "Laufen" lernen.

 Alle Jahre wieder, so könnte man unseren heutigen Artikel umschreiben. Doch auch wenn es nicht viel mit Weihnachten zu tun hat, ist es doch in der selben Jahreszeit, wo die verträumte Region zum Leben erweckt.

Die Rede ist von der kältesten Region in Europa. Etwa 160 Kilometer südlich vom 66" Breitengrad, im Volksmund Polarkreis genannt, ist in den Wintermonaten unglaublich Geheimes zu beobachten. Die Rede ist von Fahrzeug Prototypen, auch Erlkönige genannt, die in der Abgeschiedenheit auf Herz und Nieren getestet werden.

Die Bogenbrücke über den Skelleftea-Älven befindet sich nur einen Steinwurf von der Zufahrt zum Audi/ VW Testzentrum entfernt.

Begonnen hat alles Anfang der 70-iger Jahre, als Ingenieure aus der Autoindustrie die zugefrohrenen Seen für sich entdeckten. Was Damals still und heimlich begann, ist heute eine der Haupteinnahmen der Arjeplog Kommun. Arjeplog ist sozusagen die Kreisstadt der Region. Mit knapp 2000 Einwohnern ist die Stadt für Lappländische Verhältnisse relativ groß. Mehrere Süpermärkte, Tankstellen, ein Museum, sowie mehrere Restaurants runden das Angebot in mitten der Wildnis Nordeuropas ab.

Blick vom Galtispuoda zu den Testzentren der Autohersteller.

Hier in der Einöde, wo in den Sommermonaten die Sonne niemals untergeht, und Urlauber die Seele baumeln lassen, beginnt ab Mitte November eines jeden Jahres ein seltsames Spektakel. 
Unzählige LKW bringen die geheimen Prototypen der Hersteller in die Testzentren, wo sie auf ihre Fahrer warten. Die wiederum kommen per Flugzeug in der 95 Kilometer entfernten Nachbarstadt  Arvidsjaur mit Fly Car an. Gefühlt unzählige Testfahrer, Entwicklungsingenieure und Projektmanager verdoppeln die Einwohnerzahl binnen kürzester Zeit.

BMW, Mercedes und Opel haben ihre Testzentren praktisch direkt in oder um die Stadt. Genau so sind verschiedene Zulieferer mit ihren Testanlagen hier ansässig.
Der Volkswagen-Konzern hat hier eine Sonderstellung, und hat sein riesiges Testzentrum im anfangs erwähnten Slagnäs. Dieses ist im Prinzip noch abgelegener und in einem riesigen Waldgebiet versteckt. Neugierige Blicke sind dort, auch dank der guten Bewachung, so gut wie ausgeschlossen. Nur Fahrzeuge die gesehen werden sollen kann man hier entdecken.


Der neue Audi Q6 e-tron an der Ausfahrt vom Testzentrum in Slagnäs.

Von hier aus sind die Prototypen in einem riesigen Gebiet bis zur Norwegischen Grenze unterwegs. Auf speziell präparierten Pisten im Testzentrum sind allen nur denkbaren Fahrzustände zu simulieren. So können die neuen Modelle in wenigen Wochen ein Autoleben im Zeitraffer durchleben. 
Doch bis auf die Erlkönig -Jäger, so nennt man die Fotografen die den Prototypen nachstellen, bekommt von den streng geheimen und hoch komplexen Missionen der Ingenieure kaum jemand etwas mit. Für die Einwohner Lapplands sind die Mitarbeiter der Autoindustrie eine gute Einnahmequelle und herzlich Willkommen!  Bei den Einwohnern sind deren Geheimnisse sicher und gut aufgehoben. Da die Menschen hier wollen, dass die Fremdlinge auch im kommenden Jahr Geld in der Region lassen.

Doch nun zurück zu der Umgebung um Arjeplog und Arvidsjaur. Das Gebiet ist riesig und fast Menschenleer. Im Sommer kommen Gäste aus aller Welt und lassen die Ruhe und Abgeschiedenheit auf sich wirken.

Beim wandern, Boot fahren und fischen ist auch die noch so gestresste Manager-Seele im Nu wieder geheilt. 
Auch wenn  in dieser Region der Mensch immer mehr in die Natur eingreift und unzählige Hektar Wald jedes Jahr den Harvestern zu Fraß vorwirft. So entstehen immer mehr "Mondlandschaften", welche für die Umwelt schrecklich, und die Tiere tödlich sind! Man kann nur hoffen, dass die Menschen hier irgendwann begreifen das wir nur diese eine Welt haben.
Und bis dahin können wir nur hoffen. 

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